Humphrey

Meine Geschichte erzähle ich euch am Besten selbst!

Nun möchte ich mich erstmal bei Euch vorstellen. Ich bin der Humphrey, stolze 15 Jahre alt und ein kastrierter Kater.

Ich bin am 12.07.2009 glücklicherweise bei meinem jetzigen Frauchen gelandet. Das ist Andrea Höll von den Tierischen Engeln. Die Geschichte, wie ich bei ihr gelandet bin, ist allerdings nicht so schön. Ich erzähl mal kurz. Ich bin von Kindesbeinen an bei meinem ehemaligen Besitzer gewesen, der im Februar in die Psychiatrie kam. Von da an versorgte mich eine Nachbarin, allerdings eher schlecht. Im Juni kam ihre Freundin (Frau Holdenried) zufällig mal mit zu mir und sah, dass ich nur noch Haut und Knochen war. Also fuhren sie mit zur Tierärztin, die mich abgetastet hat und so – fatalerweise falsch – meinte, ich hätte eine Nierenunterfunktion. Eine Blutabnahme würde ich nicht Überleben, eine Dialyse auch nicht und man könnte evtl. eine Nierentransplantation machen, meinte sie. Außerdem sagte sie noch, sie dürfe mich gar nicht behandeln, da der Besitzer nicht mit dabei war. Alles recht komisch. Die Nachbarin, die mich versorgte, rief dann meinen ehemaligen Besitzer an und bat um Zahlung der Tierärztin. Der meinte, man solle mich einschläfern. Das wollte die Nachbarin aber glücklicherweise nicht und daraufhin sagte mein Exbesitzer, man solle mir den Hals umdrehen. Das war alles ganz schön schrecklich für mich!!! Dann hat Frau Holdenried sich bei meinem heutigen Frauchen gemeldet und um Hilfe gebeten. Nach einigen Telefonaten stellte sich heraus, dass ich schon seit September 08 stetig abgenommen habe und nun noch nicht mal mehr 3 kg gewogen habe. Frauchen hat sofort gehandelt und mich von ihrer Kollegin Kathrin Ebmeier abholen lassen. Seit dem steht Frauchen auch in regelmäßigen Kontakt mit der Katzenhilfe, also Euch! Als Kathrin mich sah, musste sie erstmal weinen. Die Frau Holdenried übrigens auch. Ich wusste gar nicht was los war und habe mich erstmal in den Flur verzogen und dort mein Geschäft auf dem Teppich verrichtet. Meine Katzentoilette war nämlich so dreckig, deshalb habe ich immer irgendwo in die Wohnung machen müssen. Das hat natürlich ganz schrecklich gestunken, denn die Fenster waren zu. Als ich in der Transportbox gesessen habe und im Auto von Kathrin nach Celle gefahren wurde, habe ich erstmal meine letzen Kräfte gesammelt und laut miaut. Immer wieder. Denn ich hatte Angst und wusste ja gar nicht, was nun mit mir passiert. Aber Kathrin erzählte mir, dass nun alles gut wird, die Mutti schon auf mich wartet, mir nun geholfen wird, mein neues Zuhause schön sauber ist, ich soviel zu Essen bekomme, wie ich möchte und nun alles gut wird. Das erzählte sie immer und immer wieder! Und tatsächlich: Ich sah mein Frauchen, marschierte aus der Transportbox, begrüßte sie mit einem kräftigen Miau, bluffte sie ans Bein und wusste, dass das hier nun MEIN Zuhause ist. Nach einem Begrüssungsklecks Leberwurst und vielen Streicheleinheiten fuhren wir dann alle zur Tierärztin, die extra an diesem Sonntagabend in ihrem Urlaub kam. Und das alles wegen mir. Ist das nicht toll!? Nachdem auch sie erstmal den Schreck meines Anblicks überwinden musste, ging es auch sofort mit den Untersuchungen los. Nachdem man Urin und Blut von mir hatte, stand auch sofort fest, dass ich Diabetes habe. Und so schlimm, dass es nicht messbar ist – also weit über 600. Nur muss ich das schon so lange haben, dass meine Chancen total schlecht standen. Alle waren sehr traurig. Die Ärztin meinte, dass es - auch wenn man das Insulin richtig einstellen würde – es nur eine Chance von max. 20 % geben würde, dass man es überhaupt eingestellt bekommt. Meine Nierenwerte waren auch nicht besonders, aber nicht so schlecht, dass sie der Grund für meinen Zustand wären. Meine Augen waren auch vereitert und trüb und es sah nach Grauem Star aus. Meine Ohren waren auch total dreckig, meine Krallen so lang, dass ich sie natürlich gar nicht mehr einziehen konnte, mein Fell sah auch stumpf und struppig aus, mehrere Zähne waren mir bereits ausgefallen, einen Schwanzbruch habe ich ( kann ihn aber – Gott sei Dank – noch bewegen) und das schlimmste war, dass ich gar nicht mehr richtig laufen konnte. Ich ging auf der Hinterhand breitbeinig, immer fast ganz eingeknickt und natürlich komplett wackelig. Und ich wog tatsächlich nur 3 kg. Und ich bin kein kleiner Kater! Alles in allem ging es mir echt total beschissen – sorry. Frauchen sagte, sie würde mich auf keinen Fall in einer Klinik lassen, damit man mir vor und nach dem Insulinspritzen Blut abnehmen kann, um mich richtig einzustellen. Auch meine Tierärztin sah das so. Ich sollte die Zeit, die ich noch habe in einer liebevollen Umgebung verbringen. Alle einigten sich auf eine Insulindosis und verabredeten in zwei Wochen noch mal Blut bei mir abzunehmen, sollte es mich dann noch geben. Dann ging es ab nach Hause! Da Frauchen noch einen Hund hat, der mich wohl nicht mag – nur zum Fressen oder so, sagte Frauchen – habe ich erstmal die Küche bezogen. Am nächsten Tag besorgte Frauchen sofort eine zweite Katzentoilette, einen Kratzbaum, einen Katzentunnel, Katzenminzesäckchen - den ein oder anderen Klimbims, den ich gar nicht brauche - und Futter – ein Kuschelkörbchen hatte Frauchen bereits schon für die erste Nacht besorgt. Alle alten Sachen von mir hat Frauchen weggeschmissen, weil sie so dreckig und stinkig waren. Mir war das nur recht!! Ich schaute mir das Schauspiel aufmerksam an und stellte fest: Ich muss hier im Paradies gelandet sein. Als Gegenleistung fürs Erste, habe ich mir brav das Insulin spritzen lassen. Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen und ich lebe immer noch. Und wie! Ich habe mir heute wieder – ohne zu murren!!!! – Blut abzapfen lassen und ihr werdet staunen: messbare 367!!!! Nach nur zwei Wochen. Ich bekomme jetzt noch etwas mehr Insulin und muss in 2-3 Wochen noch mal zum Blutabzapfen. Meine Ärztin meinte, es wäre toll, wenn wir bis dahin meinen Wert so auf 200 kriegen könnten. Und ich sehe schon wieder richtig toll aus, hat sie gesagt!!!! Ich habe nämlich schon 700g zugenommen, Mutti hat mit die Krallen geschnitten – ich kann jetzt wieder richtig toll über den Teppich laufen und am Kratzbaum kratzen ohne hängen zu bleiben – meine Augen sind wie von selbst wieder tiptop und von Grauem Star oder beginnender Blindheit ist nichts mehr zu sehen, ich habe mir von Mutti brav die Ohren sauber machen lassen, ich wurde gebürstet – das war herrlich – und eine Wurmkur hat man mir auch schon in die Leberwurst geschmuggelt. Ihr werdet es nicht glauben, aber ich futtere 500g am Tag. Und da ich hier ja in einem 5-Sternehotel lebe, habe ich meinen Geschmack „sensibilisiert“ und esse nur die feinsten Sachen, wie die leckeren 100g Schälchen mit Krebsfleisch, Calamari, Forelle oder Lachs oder die leckeren kleinen Bio-Gourmet-Tütchen natürlich auch mit Fisch. Ab und an geht auch mal Huhn. Der Room – Service funktioniert hier hervorragend. Auch meine Toilette wird ständig saubergemacht – ich muss ja auch oft, da ich ja durch die Diabetes mehr trinke – so muss ich natürlich nicht mehr in die Wohnung machen. Meine Mutti sagt, ich sei wie ein Hund, denn ich halte immer Augenkontakt mit Frauchen und höre auf „Nein“, „Komm her!“ oder „Geh ab!“. „Geh ab!“ sagt Mutti immer, wenn ich an den Wassernapf vom Hund gehen will. Das soll ich nicht, da ich ja nicht geimpft bin und da man ja gar nicht weiß, ob ich vielleicht noch irgendeine Krankheit habe. Und den Hund mit irgendwas anstecken will ich natürlich nicht. Aber ich brauche eh nur einmal vor meinem Wassernapf stehen und Miau sagen, dann gibt es sofort Frisches. Ich tunke auch gerne mal meine Pfote rein um sie dann anschließend abzulecken. Die nassen Pfoten machen aber auch so schöne Abdrücke auf dem weißen PVC. Am besten, wenn man noch mal eine Runde mit nassen Pfoten durch die Toilette geht. Das Klumpstreu wird dann schön schmierig und Mutti kann dann toll sehen, wo ich überall lang gelaufen bin. Ich bin ganz schön clever, nicht!? Ausserdem macht es auch Spass auf Mutti zu hören, denn sie ist echt lieb zu mir und gibt mir ja auch immer Leckerli. Die Käserollis sind aber auch verdammt lecker! Aber noch viel leckerer sind die Hundesalamis. Da hat Frauchen mich mal probieren lassen und wenn ich nur die Verpackung rascheln höre, dann komme ich ganz schnell angeflitzt, denn ich kann fast schon wieder richtig laufen. Zwar manchmal noch etwas wackelig, aber das macht ja nichts. Ich springe auch überall hoch und runter, deshalb musste Frauchen schon die Küche aus- und umräumen. Lustig, was!? Kathrin, die mich ja auch aus meinem alten Zuhause abgeholt hat, hat neulich so einen komischen Plüschball mit Federn mitgebracht. Mutti hat dann damit rumgespielt. Ich habe nur zugeschaut, denn ich weiss ja theoretisch wie man damit spielt. Mutti anscheinend nicht, denn sie übt öfter und ich muss zuschauen. Menschen sind manchmal etwas sonderbar! Ich finde es viel spannender, den Hamster, den ich neulich im Flur in so einem riesigen Glaskasten entdeckt habe, zu beobachten. Ich habe schon mal ausgekundschaftet, wie man da am besten mal drauf springen kann. Das werde ich dann in Angriff nehmen, wenn ich das Springen noch besser trainiert habe. Mutti hat gesagt, dass es von diesen sonderbaren Wesen hier zu Hause noch viel mehr gibt und sie mir die auch bald zeigen wird. Ihr seht, ich habe hier noch viel zu tun! Es ist echt toll, wenn ich durch einen Teil die Wohnung marschieren darf. Der Hund muss dann immer solange ins Bett. Das ist auch besser so. Ich habe ihn nämlich schon mal durch die Tür angefaucht, weil er die Salami unter der Tür durch weggenommen hat. Und ich habe nichts abbekommen. Eine Frechheit! Wenn ich den erwische….. Wenn schönes Wetter ist, dann darf ich bei offenem Fenster auf meinem Kratzbaum liegen und rausschauen, denn durch das Fliegengitter gehe ich nicht. Das geht ja nur, weil ich gar nicht schreckhaft bin. Hundebellen, Geräusche bei den Nachbarn, Türen auf- und zumachen interessiert mich nicht die Bohne. Und wenn es mir langweilig wird, kratze ich einfach an der Tür oder miaue herzzerreissend und dann kommt Frauchen sofort angelaufen, weil sie denkt, dass etwas nicht stimmt. Aber so langsam hat sie mich, glaube ich, durchschaut, denn ab und an ruf sie mir dann auch erstmal nur zu, dass sie gleich kommt und irgentwas wie „Humphrey – Schatzi“ oder so. Was ich überhaupt nicht mag, ist Besuch. Dann schaue ich Mutti immer mit grossen Augen an und verziehe mich in meine Küche. Was wollen die Leute auch hier? Nicht das die mich wieder abholen wollen. Mutti hat zwar gesagt, dass ich einen „unbefristeten Mietvertrag“ habe, aber man weiss ja nie. Wir kennen uns ja noch nicht so lange. Alles in allem funktioniert meine Dosenöffnerin schon sehr gut und ich fühle mich auch sehr wohl hier – aber nicht verraten, denn ich will mal schauen, wo ich Frauchen noch so um den Finger wickeln kann. Ich denke da geht noch einiges!!!!

So, das war es erstmal von mir!

Miau Miau

Kater Humphrey


Humphrey hat es leider nicht geschafft und verstarb am 05.08.2009.

Wir werden ihn niemals vergessen.

kater_humphrey.txt · Zuletzt geändert: 2009/11/16 23:19 von kathrin